Welche Wellenlängen nutzen Pflanzen?
Das Wirkungsspektrum der Photosynthese zeigt zwei ausgeprägte Maxima. Im blauen Spektralbereich zwischen 400 und 500 nm sowie im roten Bereich zwischen 600 und 700 nm wird Lichtenergie am effektivsten in organische Substanz umgewandelt. Der grüne Bereich (500 bis 600 nm) wird von Chlorophyll weniger stark absorbiert und großteils reflektiert.
Die Lichtfarbe beeinflusst die Wuchsform der Pflanzen. Ein hoher Rotanteil fördert das Längenwachstum bei Stängelpflanzen, ein hoher Blauanteil begünstigt kompakten, gedrungenen Wuchs. Für ein ausgewogenes Erscheinungsbild ist eine Mischung beider Anteile empfehlenswert.
Farbtemperatur in Kelvin: Was bedeuten die Angaben?
Die Farbtemperatur, angegeben in Kelvin (K), beschreibt den Farbeindruck einer Lichtquelle. Für Pflanzenaquarien sind Werte zwischen 3.000 K und 9.000 K relevant.
| Farbtemperatur | Bezeichnung | Charakter |
|---|---|---|
| 3.000 K | Warmweiß | Warmer, gelblicher Farbton mit hohem Rotanteil |
| 4.000 – 5.300 K | Neutralweiß | Ausgewogener Farbton, entspricht mittlerem Tageslicht |
| 6.000 – 9.000 K | Tageslichtweiß | Helles, kühles Licht mit hohem Blauanteil |
Werte zwischen 4.500 und 5.500 K entsprechen dem Tagesdurchschnitt an einem klaren Sonnentag in den Tropen. Je höher die Farbtemperatur, desto weißer und kühler wirkt das Licht auf den Betrachter.
Der Farbwiedergabeindex (CRI/Ra)
Der Farbwiedergabeindex Ra beschreibt, wie naturgetreu Farben unter einer Lichtquelle wiedergegeben werden. Ein Wert von Ra 90 oder höher (Vollspektrum) liefert eine natürliche Farbwiedergabe. Werte zwischen 80 und 89 (Dreibanden-Leuchten) sind für die Pflanzenzucht ausreichend und bieten eine höhere Lichtausbeute pro Watt.
Moderne LED-Beleuchtung im Pflanzenaquarium
LED-Leuchten haben Leuchtstoffröhren weitgehend abgelöst. Sie bieten eine höhere Lichtausbeute (bis über 150 lm/W), eine längere Lebensdauer von 30.000 bis 50.000 Stunden und die Möglichkeit, einzelne Farbkanäle gezielt zu steuern. Viele Aquarien-LED-Systeme verfügen über Warmweiß-, Kaltweiß- und RGB-Kanäle, die unabhängig voneinander dimmbar sind.
Die Prinzipien der Lichtfarbenwahl bleiben bei LEDs identisch. Die Bemessung der Beleuchtungsstärke sollte in Lumen pro Liter (lm/l) erfolgen. Die veraltete Watt-pro-Liter-Regel ist bei LEDs nicht mehr aussagekräftig, da unterschiedliche LED-Typen stark abweichende Lichtausbeuten aufweisen.
Empfohlene Lichtkombinationen
Bei Leuchten mit zwei oder mehr unabhängigen Kanälen lassen sich die folgenden Kombinationen umsetzen. Die Angaben gelten sowohl für LED-Systeme als auch für Leuchtstoffröhren-Abdeckungen mit mehreren Fassungen.
| Vordere Leuchte / Kanal | Hintere Leuchte / Kanal | Wirkung |
|---|---|---|
| Neutralweiß (4.000 K) | Tageslichtweiß (6.000 – 6.500 K) | Natürliche Ausleuchtung, gute Hintergrundbeleuchtung für Stängelpflanzen |
| Tageslichtweiß (6.000 K) | Neutralweiß (4.000 K) | Stärkere Vordergrundbeleuchtung, das Becken wirkt optisch tiefer |
| Warmweiß (3.000 K) | Tageslichtweiß (6.500 K) | Kontrastreiche Beleuchtung, betont rote Pflanzenfarben |
Steht ein dritter Kanal zur Verfügung, empfiehlt sich ein zusätzlicher Neutralweiß-Anteil, um die Gesamtlichtmenge zu erhöhen, ohne den Farbcharakter stark zu verändern. Die Lampendaten-Tabelle bietet eine Übersicht über gängige Leuchtmittel und deren Kennwerte.
Welche Lichtfarben Sie vermeiden sollten
Farbtemperaturen über 10.000 K besitzen einen sehr hohen Blauanteil und sind für Pflanzenaquarien nicht geeignet. Sie werden in der Meerwasseraquaristik zur Förderung des Korallenwachstums eingesetzt. Im Süßwasser können sie den Algenwuchs begünstigen, da Algen auch UV-nahe Wellenlängen unter 400 nm nutzen.
Spezielle Pflanzenröhren mit stark betontem Rot- und Blauanteil erzeugen zwar ein dem Photosynthesespektrum nahekommendes Licht, haben jedoch eine geringe Lichtausbeute und eine unnatürliche Farbwiedergabe. Als alleinige Lichtquelle sind sie nicht empfehlenswert.
Wie reagieren Pflanzen auf einen Spektrumswechsel?
Pflanzen besitzen die Fähigkeit, sich an unterschiedliche Lichtspektren anzupassen. Die Umstellungsdauer variiert nach Art. Langsam wachsende Pflanzen wie Anubias oder Microsorum zeigen kaum eine Reaktion. Schnellwüchsige Stängelpflanzen wie Hygrophila und Rotala benötigen 6 bis 8 Wochen. Lichtbedürftige Arten wie manche Ludwigia-Sorten reagieren am empfindlichsten auf abrupte Spektrumswechsel.
Wenn Sie Ihre Aquariumbeleuchtung austauschen, empfiehlt es sich, die Beleuchtungsdauer in den ersten zwei Wochen um 1 bis 2 Stunden zu reduzieren und anschließend schrittweise wieder zu erhöhen.